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	<title>FEALs &#187; Blog</title>
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		<title>Karuizawa-Suite</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 13:16:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Bereits vor einiger Zeit habe ich eine dreiteilige Suite für Klavier komponiert; jetzt komme ich endlich dazu, sie zu veröffentlichen. Nach dem Ort Karuizawa benannt, gliedert sich die Karuizawa-Suite in die drei Stücke »Professor Tsujis Haus«, »Ein Bad im Onsen« und »Den Fuji zu sehen«. Ich freue mich über Kommentare. Lizenz Komposition und Notensatz stehen [...]</p><p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2013/02/karuizawa-suite/">Karuizawa-Suite</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Bereits vor einiger Zeit habe ich eine dreiteilige Suite für Klavier komponiert; jetzt komme ich endlich dazu, sie zu veröffentlichen. Nach dem Ort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karuizawa" title="Wikipedia: Karuizawa">Karuizawa</a> benannt, gliedert sich die Karuizawa-Suite in die drei Stücke »Professor Tsujis Haus«, »Ein Bad im Onsen« und »Den Fuji zu sehen«. Ich freue mich über Kommentare. </p>
<h3>Lizenz</h3>
<p>Komposition und Notensatz stehen unter CC by-sa-nc.</p>
<h3>Noten</h3>
<p><a href="https://mega.co.nz/#!BhZHSajR!WhGdqFLqBgfbdReS8FuAV3mXNqgsJEIOxW9ChPRtUrc">Karuizawa-Suite: Zip-Archiv mit den Lilypond-Dateien.</a><br />
<a href="https://mega.co.nz/#!B1gQHazR!Q-GaA1Ms6RC_uFEPhSrdQAF9v0gIxNBDkloImO-SDPY">Karuizawa-Suite: Druckreife PDF-Version der Noten.</a></p>
<h3>Musik</h3>
<p><a href="https://mega.co.nz/#!J5YjDKZL!YCq4-3RWZQWoI0nf5nv4tlopDlZi8aSj1lt05_fVETs">Karuizawa-Suite: Professor Tsujis Haus (mp3).</a><br />
<a href="https://mega.co.nz/#!t4QU3LAR!TfTNqW9mQm3o5fIkbsoVkzibz7Md0V5t2JXjIwvepMU">Karuizawa-Suite: Ein Bad im Onsen (mp3).</a><br />
<a href="https://mega.co.nz/#!V5YSCZ7Z!CATN9VXJjn5-HhO6p8Hw7xgfWpID308EBY_ZrZGcOT0">Karuizawa-Suite: Den Fuji zu sehen (mp3).</a></p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2013/02/karuizawa-suite/">Karuizawa-Suite</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=152&amp;md5=659a541baf4b483b20ae7b9462432867" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sir-Humphrey-Wahlsystem</title>
		<link>http://feals.de/blog/2012/11/sir-humphrey-wahlsystem/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Nov 2012 21:42:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[Briefwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlcomputer]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlsystem]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Unser Partizipationsversprechen sieht sich auch angesichts unseres Mitgliederzuwachses derzeit vor immensen Schwierigkeiten. Grund hierfür sind weniger das Mitmachen als vielmehr die Mitbestimmung, also das gleiche und geheime Wahl- und Stimmrecht. Eine einfache Wahl oder Abstimmung ist nicht geheim (Wahlcomputerdilemma), eine geheime Wahl oder Abstimmung ist kompliziert und teuer; entweder für die Wahlleitung (Herkömmliche Brief- und [...]</p><p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/11/sir-humphrey-wahlsystem/">Sir-Humphrey-Wahlsystem</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Unser Partizipationsversprechen sieht sich auch angesichts unseres Mitgliederzuwachses derzeit vor immensen Schwierigkeiten. Grund hierfür sind weniger das Mitmachen als vielmehr die Mitbestimmung, also das gleiche und geheime Wahl- und Stimmrecht. Eine einfache Wahl oder Abstimmung ist nicht geheim (Wahlcomputerdilemma), eine geheime Wahl oder Abstimmung ist kompliziert und teuer; entweder für die Wahlleitung (Herkömmliche Brief- und Urnenwahl) oder für die Stimmberechtigten (Parteitage). Ich habe heute eine Möglichkeit erdacht, das beste beider Welten zu vereinen (frei nach Hannah Montana), konkret: das Zufallselement einer herkömmlichen Wahl mit der Pseudonymität eines Wahlcomputers zu kombinieren. Vermutlich habe ich damit entweder das Rad nochmal erfunden oder einen riesigen Logik-Fauxpas begangen; in beiden Fällen bitte ich, darauf hingewiesen zu werden. Auch kleinere Konkretisierungen und Verbesserungen sind höchst willkommen.<span id="more-107"></span></p>
<h3>Name</h3>
<p>Wer sich über den Namen wundert: Der geht zurück auf <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sir_Humphrey_Appleby" title="Wikipedia: Sir Humphrey Appleby">Sir Humphrey Appleby</a>, einen fiktiven Charakter aus der britischen Fernsehserie »<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Yes_Minister" title="Wikipedia: Yes Minister">Yes Minister</a>«, und sein Talent, die Äußerungen seines Ministers in wunderschön gedrechselte Worthülsen zu füllen. (Außerdem ist Sir Humphrey einfach nur toll und er verdient es, ein Wahlsystem nach ihm benannt zu haben.)</p>
<h3>Spezifikationen</h3>
<p>Die Schlüssel und Schlösser werden auf Vorrat und ohne Kenntnis des Abstimmungsgrundes erzeugt. Dafür wird in einem ersten Schritt bestimmt, für wie viele Abstimmungen (m) und für wie viele Teilnehmer (n) Schlüssel-Schloss-Paare erzeugt werden sollen. Genug Schlüssel für eine DIN-A4-Seite erscheinen mir ratsam; also etwa zweihundert Stück. Die Anzahl der Teilnehmer dürfte wohl der Anzahl der Mitglieder entsprechen, also derzeit etwa 35 000.<br />
Ein Computer erzeugt zuerst für jede Abstimmung m je einen Schlüssel, den wir Generalschlüssel nennen wollen. Dieser Generalschlüssel ist ein möglichst langer Zufallscode (512 Byte o.ä.).<br />
Weiterhin wird für alle n Teilnehmer je ein Schlüssel generiert, der Personalschlüssel. Dieser Schlüssel ist etwas komplizierter aufgebaut: Er besteht aus einer zwölfstelligen Zufallszahl zur Basis 26, an die sich zur Sicherung der korrekten Eingabe eine dreistellige Prüfzahl (Quersumme) ebenfalls zur Basis 26 anhängt, sodass wir insgesamt fünfzehn Stellen haben. Oder einfacher ausgedrückt: Der Computer erzeugt einen zwölfstelligen Salat aus den Buchstaben a-z und hängt dann drei weitere Buchstaben an, die ihm erlauben, schnell zu prüfen, ob die vorigen zwölf Buchstaben theoretisch richtig sein können oder ob ein Tippfehler vorliegt. Das sieht dann (mit falscher Prüfzahl) etwa so aus: eru sdf jkt gjr lir. (Basis 26 genau deshalb, damit man nur Buchstaben eingeben muss, was die Wahrscheinlichkeit falscher Eingaben (1 anstatt l, 0 anstatt O) senkt.) Ohne Prüfzahl ergibt sich so ein möglicher Personalschlüsselraum mit der Größe 95428956661682170 (etwa 95 Billiarden). Der Raum wurde so groß gewählt, um Brute-Force-Attacken (also das automatische Raten eines möglichen Personalschlüssels) in den Bereich des nahezu Unmöglichen zu rücken. Anschließend überprüft der Computer, ob er diesen Personalschlüssel für diese Abstimmung bereits einmal generiert hat. Falls ja, dann verwirft er ihn und erzeugt einen neuen.<br />
Aus diesem Personalschlüssel wird anschließend ein <abbr title="Ein Hash ist ein »Fingerabdruck« von Daten, von dem aus sich die ursprünglichen Daten nicht wiederherstellen lassen.">Hash</abbr> (SHA-3 o. ä., wobei das Augenmerk auf Sicherheit, nicht auf Effizienz, liegen sollte) gebildet, wobei die Hashfunktion (laufende Abstimmungsnummer)-oft angewandt wird, um das Anlegen von Rainbow Tables zu erschweren.<br />
Nun wird zuletzt für jede Konkatenation (etwa: Zusammensetzung) »Generalschlüssel + Personalschlüssel« ein SHA-3-String gebildet, das sogenannte Schloss.</p>
<h3>Vorbereitungen</h3>
<p>Nun wird für jede der m Abstimmungen der entsprechende Generalschlüssel ausgedruckt und in ein mit der fortlaufenden Abstimmungsnummer beschriftetes Kuvert gesteckt. Je nach gewünschter Sicherheitsstufe kann dieses Kuvert nun von einem Notar oder einfach nur bei einer vertrauenswürdigen Person im Tresor verwahrt werden, es können mehrere Kuverts zur Kontrolle an mehrere Vertrauenspersonen übergeben werden, etc.<br />
Weiterhin wird für alle n Teilnehmer je eine Liste erstellt. Auf dieser Liste befinden sich für jede der m Abstimmungen die fortlaufende Abstimmungsnummer und dahinter ein vom Computer für diese Abstimmung generierter Personalschlüssel. Diese Listen werden in nicht gekennzeichnete, identische Schlüsselumschläge verpackt. Nun werden diese Umschläge gemischt. Für jedes Teilnehmer wird anschließend in einen vorbereiteten und an es adressierten zweiten Umschlag einer der Schlüsselumschläge verpackt. Diese Schlüsselbriefe werden nun versandt.<br />
Die Personalschlüsselhashes jedoch werden zusammen mit ihrer jeweiligen Abstimmungsnummer veröffentlicht.<br />
Ebenso veröffentlicht werden die Schlösser mit ihrer jeweiligen Abstimmungsnummer, ohne jedoch zu den Personalschlüsselhashes zugeordnet zu werden.</p>
<h3>Abstimmungsablauf</h3>
<p>Steht nun eine Abstimmung an, so wird ihr die nächste freie Abstimmungsnummer zugeteilt. Die Abstimmung selber findet über eine Internetseite statt. Das Teilnehmer gibt nun seinen Personalschlüssel für die Abstimmung sowie seine Abstimmungsentscheidung ein. Der Computer berechnet anhand der Prüfzahl, ob der Personalschlüssel stimmen kann. Die Berechnung ist hierbei künstlich zu verlängern (im Bereich einer bis weniger Sekunden), um ein Bruteforcen des Systems zu erschweren. Stimmt er nicht, wird eine Fehlermeldung ausgegeben und das Teilnehmer kann den Personalschlüssel erneut eingeben. Stimmt er, wird sein Hash gebildet und mit der Liste der Personalschlüsselhashes abgeglichen. Gibt es eine Übereinstimmung, wird die Stimme gezählt, der Personalschlüsselhash als verbraucht markiert, und der Personalschlüssel zusammen mit der Abstimmungsentscheidung in einer Ergebnisliste gespeichert. Sollte der Personalschlüsselhash bereits als verbraucht markiert sein, wird dem Teilnehmer ausgegeben, dass es bereits abgestimmt hat. Verwendete Personalschlüssel werden bereits während der laufenden Abstimmung (ohne zugehörige Abstimmungsentscheidung) veröffentlicht, damit die eigene Stimmabgabe kontrolliert werden kann.</p>
<h3>Auszählung</h3>
<p>Am Schluss der Abstimmung werden alle abgegebenen Personalschlüssel und dazugehörige Stimmentscheidungen veröffentlicht. Nach einer gewissen Zeitspanne (von der Größenordnung fünf Minuten) wird das Kuvert mit dem Generalschlüssel geöffnet und der Generalschlüssel ebenfalls veröffentlicht. Anhand des Generalschlüssels kann nun mit jedem Personalschlüssel ein Schloss gebildet werden. Ist das Schloss in der Liste der Schlösser, ist die Stimme gültig. Ist es nicht in der Liste der Schlösser, ist die Stimme ungültig.</p>
<h3>Nachteile</h3>
<p>Nachteile des Systems sind erst einmal viele Nachteile der konventionellen Briefwahl. Insbesondere kann ein verlorener Schlüsselbrief nicht nachgesendet werden, da man die in diesem Schlüsselbrief enthaltenden Personalschlüssel nicht deaktivieren kann. Dieses Problem lässt sich jedoch dadurch entschärfen, dass Schlüsselbriefe in erster Linie persönlich, etwa in Landesgeschäftsstellen oder auf Parteitagen, übergeben und nur auf expliziten Wunsch mit der Post verschickt werden. Und zuletzt sorgt die Produktion gültiger Schlüssel im Voraus dafür, dass spätere Schlüssel zur selben Abstimmung nur mit großem Aufwand und (um die Anonymität zu gewährleisten) in größeren Mengen nachproduziert werden können: Hat man also erstmal für die Abstimmungen 000-200 gültige Schlüssel vergeben, geht ein Neumitglied, das nach der Schlüsselvergabe eintrat, möglicherweise bis zur Abstimmung 201 leer aus. Diesem Problem ließe sich durch das Anfertigen von Blanko-Schlüsselbriefen auf Vorrat abhelfen; die müssten jedoch wieder am besten notariell verwahrt werden.</p>
<h3>Vorteile</h3>
<p>Vorteil dieses Wahlsystems gegenüber der konventionellen Briefwahl ist eindeutig, dass die versendeten Briefe keine politischen Willensbekundungen erhalten: Es kann also kein bereits ausgefüllter Wahlzettel vom rechten Weg abkommen; ebenfalls können keine gefälschten Wahlzettel in Umlauf gebracht werden, die nicht spätestens bei der Auszählung am fehlenden Gegenpaar scheitern würden. Weiterhin reicht ein Schlüsselbrief für viele Abstimmungen, sodass die Material- und Portokosten wesentlich geringer ausfallen können. Darüberhinaus befinden sich fast alle Manipulationsmöglichkeiten am Anfang des Prozesses, der Schlüsselerzeugung und dem -versand, und zu diesem Zeitpunkt kann man weder sagen, für welche Abstimmung der Schlüssel verwendet wird, noch, von wem, noch, wie das Teilnehmer abstimmen möchte.</p>
<h3>Anwendung</h3>
<p>Anwendungsbeispiele für das Wahlsystem lassen sich leicht finden. Die rechtlichen Hürden dürften bereits durch die Briefwahl erklommen worden sein, und so stünde prinzipiell nichts den Möglichkeiten im Wege, dieses System für Urwahlen über Personalien, Programmentscheidungen und dergleichen mehr zu verwenden.</p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/11/sir-humphrey-wahlsystem/">Sir-Humphrey-Wahlsystem</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=107&amp;md5=7fb59f00a1ebb7b6b12752272711d961" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Johannes Ponaders Socken oder das Problembärparadoxon</title>
		<link>http://feals.de/blog/2012/10/johannes-ponaders-socken/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Oct 2012 18:12:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastbeitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Ponader]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Sekor]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Körner]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Le55ing. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt definiert einen Problembären als einen Bären, der sich zur Nahrungssuche mitunter in die Nähe von menschlichen Siedlungen begibt und dadurch gefährliche Situationen schafft. Ein Problembär ist nicht zum Abschuss freigegeben, sondern wird mittels geeigneter Mittel vergrämt, damit er sich ein anderes Revier sucht. Kommt er dennoch [...]</p><p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/10/johannes-ponaders-socken/">Johannes Ponaders Socken oder das Problembärparadoxon</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Gastbeitrag von <a href="https://twitter.com/Le55ing" title="Twitter: Le55ing">Le55ing</a>.</em></p>
<p>Das Schweizer Bundesamt für Umwelt definiert einen Problembären als einen Bären, der sich zur Nahrungssuche mitunter in die Nähe von menschlichen Siedlungen begibt und dadurch gefährliche Situationen schafft. Ein Problembär ist nicht zum Abschuss freigegeben, sondern wird mittels geeigneter Mittel vergrämt, damit er sich ein anderes Revier sucht. Kommt er dennoch immer wieder und verletzt dabei einen Menschen, so wird er als Risikobär eingestuft und zum Abschuss freigegeben.</p>
<p>Wenn wir die Äußerungen unseres Landesvorsitzenden auf Spiegel Online und ZEIT Online richtig verstanden haben, sind Julia Schramm und Johannes Ponader Problembären und müssen vergrämt werden. <span id="more-83"></span>Julia wegen ihres Buchs und Johannes, weil uns seine Sockenlosigkeit in den Talkshows schaden könnte. Interessant. Zwar wusste Sekor schon vor dem Interview, dass Julia zurücktreten würde, doch das hat ihn nicht daran gehindert, nochmal nachzutreten. Politikstil 1.0, wie ich finde. Wenn wir bei der CSU wären, würden wir vermutlich Beifall klatschen und uns hämisch darüber freuen. Zwar sind wir nicht bei der CSU, aber Stefan rechtfertigt das Ganze; er habe ja nur die Wahrheit gegenüber den Journalisten gesagt und er dürfe doch wohl noch seine Meinung sagen. Das ist weder Wahrheitsfindung noch Meinungsäußerung. </p>
<p>Johannes hat massive Fehler gemacht, zuvorderst mit seinem Spendenaufruf. Darüber hinaus hat er das Ganze vielleicht auch zu locker gesehen. Doch selbst Kungler konstatierte, dass Johannes sich auf seine Interviews gut vorbereite und das mittlerweile ganz gut mache. Das Hauptproblem läge in Johannes Unfähigkeit, im Team zu arbeiten, und das führe zu immensen Spannungen im Bundesvorstand. Das hat nichts mit seinen Socken zu tun und überrascht kaum. Als Ponader zu seiner »Selbständigkeit« im Dicken Engel befragt wurde, sagte er über sich, er hätte ein Problem mit Autoritäten. Kurzum, er lässt sich von niemandem etwas sagen. </p>
<p>Die Frage ist nun, was wollte Sekor mit seinem Vorstoß bezwecken? Kann man eine Verhaltensänderung herbeiführen, indem man jemanden über die Presse mitteilt, er solle zurücktreten – ihn also wie einen Problembären vergrämen? Bei einem wie Johannes Ponader erscheint das als interessantes Unterfangen. Einer, der sich nur der Basis verpflichtet fühlt, wie er selbst betont, weil er nicht durch die Vorstände legitimiert wurde, sondern von der Basis. Nun könnte man in Sekors weiterem Nachkarten den Versuch sehen, Johannes als einen Risikobären zu klassifizieren, um ihn dann zum Abschuss durch einen Beschluss freizugeben. Was Sekor jedoch nicht versteht, ist, dass er damit selbst zum Problembären wird. Klingt paradox? Ich will das mal erläutern.</p>
<p>In dem Moment, in dem ich die Presse einschalte und in der Öffentlichkeit eine Personaldebatte führe, erhalte ich zwar genau das, was ich von der Presse will, nämlich Aufmerksamkeit – doch leider nicht für unsere politischen Themen. Dafür kann man dann seine Meinung der Presse geigen und die druckt das mit Freude ab, weil man genau das Brennmaterial zur Verfügung stellt, mit dem uns die Presse derzeit mit Vorliebe Scheiterhaufen errichtet: Vorstände, die sich nicht grün und zudem unfähig sind, ihre Differenzen unter der Decke zu halten. Er liefert somit ein weiteres Puzzleteil in dem Bild, dass die Piraten ein Chaostruppe sind, die sich selber zerlegt und politisch überflüssig macht.</p>
<p>Das Szenario, dass Johannes mal wieder unbesockt in einer Fernsehsendung auftauchen könnte und uns so den Einzug in den Bundestag vermasseln könnte, mag einem erfahrenen Bildzeitungsleser sicherlich einleuchten. Mir nicht. Sekor hat mit dieser Aktion eigentlich nur offenbart, dass er selber in keinster Weise teamfähig ist. Hat er seine Aussagen mit den anderen Kollegen im Landesvorstand abgesprochen? Nein. Auf Hinweise, dass er damit von unseren Themen ablenkt, reagiert er pampig und schnöde mit dem Hinweis, er dürfe doch wohl als Vorsitzender sein Meinung sagen. Nein, darf er nicht.</p>
<p>Als Amtsträger ist er laut Parteiengesetz bestimmt, die Partei in besonderer Weise nach innen und nach außen zu vertreten. Da steht nichts davon, dass dieses Amt auch zwangsweise das Vertreten einer eigenen Meinung beinhaltet. Doch das Bild, das Sekor zeichnet, ist: Seine Meinung = Parteimeinung = Eindruck, den der Wähler von uns bekommen soll. Sekor unterliegt dem Irrtum, dass wir Vorstände nur aufgrund ihrer Meinung wählen.</p>
<p>Dies spielt bei Vorstandswahlen sicherlich eine Rolle, ist aber nicht ausschlaggebend. Würden wir die Meinung des Kandidaten als das Kriterium schlechthin bewerten, können wir das basisdemokratische Projekt Piratenpartei getrost zu den Akten legen. Vorstände sind in einer basisdemokratischen Partei dazu da, die Partei zu verwalten, Plattformen zu schaffen, die der Willensbildung der Basis dienen sollen, und sie sind weiterhin dazu da, die Ergebnisse dieser Willensbildung nach außen zu kommunizieren. In Hessen hat man das verstanden und auf dem letzten LPT in einem Votum auch gegenüber dem BuVo zum Ausdruck gebracht. Wenn das Problem im BuVo für Sekor angeblich so immanent gewesen ist, warum hat er dann nicht in Maxhütte auf ein Stimmungsbild gepocht? Zeit dazu hätten wir gehabt.</p>
<p>Um mich nicht falsch zu verstehen: Sekor kann eine eigene Meinung haben, aber nicht im Interview als Landesvorsitzender. Dort hat er als Amtsträger zu agieren und seine Person hinter dem Berg zu halten. Das ist der Anspruch unserer Partei an ihre Amtsträger.</p>
<p>Ich kann die Stimmigkeit weder in Sekors Vorgehen noch in seinen Äusserungen sehen. Denn sein genereller Vorwurf, der BuVo sei farblos, steht auch nur so im Raum, ohne an konkrete Vorfälle oder Versäumnisse gekoppelt zu sein. Schon witzig, wenn man bedenkt, dass es Sekor war,  für unsere Ideen der im vergangenen Jahr die Unterschriftenaktion gegen  die Studiengebühren initiierte, und nun, da das Urteil da ist, die  Piratenpartei nicht mal mehr in Zeitungsartikeln erwähnt wird. Wer im  Glashaus sitzt, sage ich da nur … Ist doch super, wenn andere die  Lorbeeren und die damit verbundene Arbeit einheimsen! Wir haben doch was in der Sache erreicht! So zumindest Sekors Ansicht. Haben wir nicht. Man bringt uns nicht mehr mit der Abschaffung der Studiengebühren in Verbindung. Und bevor ein Landesvorsitzender meint, er müsse sich deutschlandweit wahrnehmbar in eine Personaldebatte des Bundesvorstandes einmischen, sollte er sich lieber mal Gedanken machen, wie wir so ein Pressedesaster in Zukunft vermeiden. Der Frust hier sitzt tief. Wir, die Basis, haben uns abgemüht, die Unterschriften zusammenzubekommen und dann erscheint die Piratenpartei nicht mal mehr in der Berichterstattung. Als ob es uns – zumindest was dieses Thema betrifft – nie gegeben hätte.</p>
<p>Wenn es einen Verband gibt, der im Augenblick farblos wirkt, dann der bayerische. Wir haben – auf dem Papier – die meisten Mitglieder aller Verbände, und wir haben weiterhin Zulauf von Neumitgliedern. Wir haben es in Bayern mit einer jahrzehntelangen poltischen Monokultur namens CSU zu tun und einer schwachen bayerischen SPD, die mit ihrem »O’zapft is«-Spitzenkandidaten Ude bei 20% anstatt bei 30% rumdümpelt. Wir holen uns in Bayern in den Umfragen gegenüber der bundesweiten Stimmung konstant 1-2% weniger. Hier sollten wir uns selber an die eigene Nase fassen und uns Farblosigkeit attestieren. Wir müssen erst mal unsere Hausaufgaben machen, ehe wir auf die Fehler der anderen hinweisen. Wir müssen uns als Alternative darstellen. Mit Personaldebatten und anderen internen, aber nichtsdestotrotz öffentlich ausgetragenen Querelen ist man keine Alternative. Damit ist man wie die anderen. Und wer wie die anderen ist, der wird nicht als Alternative angesehen und konsequenterweise auch nicht gewählt. Wir müssen uns dem Bürger gegenüber als eine sinnvolle Investition in die politische Zukunft Bayerns darstellen. Wir müssen zeigen, warum es uns in allen Parlamenten braucht. </p>
<p>Uns steht knapp ein Jahr Wahlkampf bevor. Und alles, was uns in Personaldebatten zwingt, schadet uns. Ich bezweifle, dass Sekor das begreift, denn er ist vom Verhalten her noch auf Bärenjagd und er will den Problembären Johannes wohl unbedingt als Trophäe. Schade.</p>
<p><em>Le55ing</em></p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/10/johannes-ponaders-socken/">Johannes Ponaders Socken oder das Problembärparadoxon</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=83&amp;md5=c706107a0c5aa2f0141c5583e435f6e0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Max Bruch: Kol Nidrei</title>
		<link>http://feals.de/blog/2012/10/max-bruch-kol-nidrei/</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Oct 2012 18:50:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Kol Nidrei]]></category>
		<category><![CDATA[Lilypond]]></category>
		<category><![CDATA[Max Bruch]]></category>
		<category><![CDATA[Notensatz]]></category>
		<category><![CDATA[Partitur]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Seit Anfang Juli habe ich sporadisch daran gearbeitet, die Partitur und Einzelstimmen von »Kol Nidrei« von Max Bruch mit dem freien Notensatzprogramm Lilypond zu setzen. Damit wurde ich heute morgen fertig, und es erfüllt mich mit Stolz, mein Werk nun der Allgemeinheit schenken zu können. Ich hoffe, dass es für Konzertgänger, Laien- und professionelle Orchester, [...]</p><p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/10/max-bruch-kol-nidrei/">Max Bruch: Kol Nidrei</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Anfang Juli habe ich sporadisch daran gearbeitet, die Partitur und Einzelstimmen von »Kol Nidrei« von Max Bruch mit dem freien Notensatzprogramm <a href="http://lilypond.org/" title="lilypond.org">Lilypond</a> zu setzen. Damit wurde ich heute morgen fertig, und es erfüllt mich mit Stolz, mein Werk nun der Allgemeinheit schenken zu können. Ich hoffe, dass es für Konzertgänger, Laien- und professionelle Orchester, Musikwissenschaftler, oder einfach interessierte Partiturleser von Nutzen sein wird, und bitte, eventuelle Fehler in der Partitur per Mail an mich oder in den Kommentaren mitzuteilen. Ich werde dann eine verbesserte Version hochladen.</p>
<h3>Lizenz</h3>
<p>Die Komposition ist gemeinfrei; den Notensatz stelle ich unter CC-0 mit der Bitte um Namensnennung bei weiterer Verwendung. Über ein Dankeschön (gerne auch über Flattr) und einen kurzen Kommentar, falls die Noten zum Einsatz kamen, freue ich mich jedoch sehr.</p>
<h3>Noten</h3>
<p><a href="http://feals.de/wp-content/uploads/2012/10/bruch.max_.kol_nidrei.v1.zip">Kol Nidrei: Zip-Archiv mit den Lilypond-Dateien, einer MIDI-Ausgabe, der Partitur, und allen Einzelstimmen.</a><br />
<a href="http://feals.de/wp-content/uploads/2012/10/Max-Bruch-Kol-Nidrei.pdf">Kol Nidrei: Druckreife PDF-Version der Partitur mit Titelblatt.</a></p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/10/max-bruch-kol-nidrei/">Max Bruch: Kol Nidrei</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=79&amp;md5=548ca27aeed96eb900fb3d87f1bb6629" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Unorte</title>
		<link>http://feals.de/blog/2012/10/unorte/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Oct 2012 14:29:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Unort]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>(Nachfolgendes Essay erschien in der Erstausgabe »Geister« der Starnberger Hefte.) Abgrenzung und Definition. Fällt einem auf die Schnelle keine griffige Definition des Wortes »Unort« ein, so liegt dies auch daran, dass es bereits zum Erscheinen des Deutschen Wörterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm (DWB) im Jahr 1838 als unüblich galt und zwischenzeitlich als ausgestorben betrachtet [...]</p><p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/10/unorte/">Unorte</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>(Nachfolgendes Essay erschien in der Erstausgabe »Geister« der <a href="http://starnberger-hefte.de/" title="starnberger-hefte.de">Starnberger Hefte</a>.)</em></p>
<h3>Abgrenzung und Definition.</h3>
<p>Fällt einem auf die Schnelle keine griffige Definition des Wortes »Unort« ein, so liegt dies auch daran, dass es bereits zum Erscheinen des Deutschen Wörterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm (DWB) im Jahr 1838 als unüblich galt und zwischenzeitlich als ausgestorben betrachtet werden darf, bis es als Motiv der Fotografie in den 1960ern von Stephen Shore und nachfolgend anderen als Übersetzung des englischen »uncommon place« (wörtlich: unüblicher Platz) verwandt wurde. Bei genauerer Auseinandersetzung ist der Unort jedoch weitaus mehr als nur ein unüblicher Platz.<span id="more-67"></span><br />
Eine elegante Methode, sich einer Begriffsdefinition anzunähern, ist die Definition der Negation, oder anders ausgedrückt: Was ist ein Unort nicht? Die auffälligste Wortverwandtschaft besteht mit der Utopie (griechisch οὐτοπία: Nicht-Ort), doch anders als die Utopie sind Unorte Bestandteil unserer (je nach gesellschaftlichem Stand und Umgang mehr oder weniger alltäglichen) Lebenswirklichkeit. Auch der Nicht-Ort (französisch non-lieu) des Anthropologen Marc Augé, ein einseitig genutzter Platz ohne Geschichte oder Identität wie etwa ein Einkaufszentrum oder eine Autobahn, übernimmt nur einen Teil der reichen Sprachgeschichte, die das Wort »Unort« im Deutschen begleitet. Verlassene Orte hingegen besitzen anders als der Nicht-Ort tatsächlich eine Geschichte, und sollten sie auch heute verlassen sein, so umgibt sie noch ein Nimbus, der sie von der vordergründigen Seelenlosigkeit des Unortes unterscheidet.<br />
Unorte hingegen sind vom Menschen geschaffene Natur, und man verzeihe an dieser Stelle den Widerspruch zur Definition der Natur. Genauer formuliert sind Unorte Orte, die eine Abkehr von der Entropie (Die Entropie eines Systems bezeichnet grob gesagt seine Durchmischung. Gut vorstellen kann man sich das anhand eines Mixers: Ist am Anfang die Entropie noch niedrig, wenn sich Erdbeeren, Eis, Zuckerwürfel und Milch am Stück im Mixer befinden, erhöht das Anschalten des Mixers die Entropie, bis sie im Idealfall in komplett durchmischtem Erdbeermilkshake gipfelt.), vom Hintergrundrauschen des Seins, darstellen, also Struktur innehaben, aber nicht natürlich gewachsen sind, sondern ihre Daseinsberechtigung in schlichter Kausalität finden. Während ein Theater, ein Marktplatz, aber auch privater Raum wie eine Wohnung zu einem hohen Grad Selbstzweck sind, sind die Unterführung, die Autobahnraststätte, die Bahngeleise in erster Linie Kollateralen der Urbanisierung. Daraus ergibt sich eine Skala aus Ort und Unort, deren Maß Selbst- oder Mitzweck ist; eine binäre (binär (von lateinisch bina: paarweise) ist eine Entität, die nur zwei Zustände kennt. Gängige Computer arbeiten etwa binär, da sie nur die Zustände 0 (kein Strom) und 1 (Strom) kennen.) Einordnung ist folglich unmöglich.<br />
Mit diesem Begriffskorpus gerüstet, lohnt sich eine etymologische Herangehensweise, um die Dimensionen des Begriffes genauer zu erfahren.</p>
<h3>Etymologische Herangehensweise und Deutung.</h3>
<p>Einer Sekundärquelle zufolge findet sich eine Nennung des Unortes in frühen Auflagen des Grammatisch-kritischen Wörterbuches Adelungs unter dem Stichwort »Ungemach«, wo das Ungemach in seiner Bedeutung einer Kerkerzelle, die weder sitzen noch stehen erlaubt, als Unort bezeichnet wird. Das eingangs erwähnte Grimm’sche Wörterbuch führt unter dem Stichwort »Unort« auf: »UNORT, m.: orth, unorth, ewigkeit, zeit, nacht, tag Silesius wandersm. 30 ndr.; desertum Stieler 1396. unüblich. — «. Was auf den ersten Blick kryptisch erscheint, erhellt sich, wenn man die Definition eines Ortes im DWB heranzieht, die weitaus umfassender ist als die heutige Alltagsverwendung, genauer: »ein von menschen besuchter und benutzter platz, ein platz des öffentlichen verkehrs«, suggeriert. So ist der Ort auch »himmelsgegend«; man spricht »auch vom raume im philosophischen sinne«.<br />
Weiterhin ist ein Ort nicht nur auf die vom Menschen scheinbar statisch erlebten Raumdimensionen beschränkt, sondern laut DWB in älterer Konnotation die Beschreibung eines Bereichs in der Raumzeit. Daraus lässt sich die Definition des verlassenen Ortes verfeinern: Der Nimbus, der Glanz des Gewesenen, herrscht nur dort, wo dieser Bereich auch die Vergangenheit vor dem Verfall mit einbezieht. Umgekehrt folgt daraus für die Unortsdefinition: Ein Unort ist unter Berücksichtigung der Zeit auch der unerfüllte Ort zwischen zwei Erfüllungen; die leere Oper zwischen zwei Aufführungen, das Schiff zwischen zwei Fahrten.<br />
Doch noch eine weitere Bedeutung hält das DWB bereit, nämlich den Ort als Schneide, Spitze oder Schärfe. Über einen kleinen Brückenschlag würde damit aus dem Unort die Unschärfe: Orte liegen im Fokus, Unorte sind hingegen die Unschärfen im öffentlichen Raum.</p>
<h3>Unorte in der Fotografie.</h3>
<p>Orte, die verlorene Gegenstände sammeln, sind ein häufiges Motiv in der Literatur: So etwa in Cecelia Aherns »A Place Called Here« (Vermiss mein nicht) oder in J.K. Rowlings Harry-Potter-Heptalogie mit dem »Room of Requirement« (Raum der Wünsche). Unorte als Verlorene Orte an sich sind dagegen ein bislang hauptsächlich fotografisch erfasstes Motiv. Der Reiz der Unort-Fotografie liegt hierbei im Abweichen von gefestigter Ästhetik und bekannten Raumvorstellungen, im sichtbar gewordenen Blick hinter die potemkin’schen Dörfer des urbanen und suburbanen Raums. Sich anbiedernde Rahmen der Fotografie werden außer Acht gelassen, um das Überstrahlte abzulichten.<br />
Ein geschärfter Blick für Unorte offenbart diese überall; kehrt das gewohnte Ortsverständnis um. Wo vorher von Zeit zu Zeit scheinbare Hässlichkeit und Identitätslosigkeit das urbane Bild durchbrachen, finden sich nun einzelne Inseln der Schönheit im schier endlosen Meer eines weitestgehend dienstbaren, aber auf den ersten Blick unästhetischen Organismus. Ist das nicht ein Verlust? Keineswegs! Erstens werden Unorte durch ihre Würdigung und das Erkennen ihrer ganz beifälligen Qualitäten gemäß dem japanischen Konzept des Wabi-sabi (japanisch 侘寂, etwa: Die Schönheit der herben Schlichtheit) ihres Makels beraubt. Und zweitens gewinnt der schöne Ort erst dann wahrhaft an Bedeutung, wenn anerkannt wird, auf welchen riesenhaften Schultern eines wohlgesinnten Molochs der Unorte er steht.<br />
In diesem Licht erschließen sich auch die poetischen Worte des schlesischen Barockdichters Silesius im Wörterbuch der Gebrüder Grimm: »orth, unorth, ewigkeit, zeit, nacht, tag.« (Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1. Buch, Nr. 190; Die Gleichheit: Ich weiß nicht was ich soll. Es ist mir alles ein / Ort, Unort, Ewigkeit, Zeit, Nacht, Tag, Freud und Pein.)</p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/10/unorte/">Unorte</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=67&amp;md5=c58b856f1ebf5e16c72e303f783ff336" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Intransparenz</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Mar 2012 18:07:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politisches]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Seit einiger Zeit lässt sich beobachten, dass sich »Transparenz« in die Liga der beliebten Politiker-Substantive einschleicht, in der sich – unter anderen – schon »Freiheit«, »Demokratie«, »Bildung« und »Wohlstand« befinden. Definitionsversuche der Transparenz, die über reine Schlagwortqualitäten hinausgehen, gibt es auch einige, und auch Wikipedia wartet mit »Transparenz (Politik)« auf: Transparenz ist in der Politik ein Zustand [...]</p><p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/03/intransparenz/">Intransparenz</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einiger Zeit lässt sich beobachten, dass sich »Transparenz« in die Liga der beliebten Politiker-Substantive einschleicht, in der sich – unter anderen – schon »Freiheit«, »Demokratie«, »Bildung« und »Wohlstand« befinden. Definitionsversuche der Transparenz, die über reine Schlagwortqualitäten hinausgehen, gibt es auch einige, und auch Wikipedia wartet mit »Transparenz (Politik)« auf:</p>
<blockquote><p>Transparenz ist in der Politik ein Zustand mit freier Information, Partizipation und Rechenschaft im Sinne einer offenen Kommunikation zwischen den Akteuren des politischen Systems und den Bürgern.</p></blockquote>
<p>Schwierig an dieser Definition ist, dass sich hieraus abgesehen vom vielgerühmten gesunden Menschenverstand kaum Kriterien ergeben, die die Transparenz eines Zustandes bewerten lassen.<span id="more-50"></span></p>
<p>Auf der Suche nach solchen Kriterien erschien es mir sehr viel einfacher, Kriterien zur Feststellung einer vorliegenden Intransparenz festzulegen. Dieses Index- oder auch Schwarzlistenverfahren geht vom Idealzustand – in diesem Fall natürlich dem der politischen Transparenz – aus und untersucht dann, mit welchen Kriterien sich eine Abweichung vom Idealzustand beschreiben lässt. Angewandt wird das etwa beim Blocken mancher URLs durch einen Adblocker, um eine Werbungsanzeige im Browser zu verhindern, oder auch im Strafgesetzbuch, wo Straftatbestände aufgezählt werden, anstatt umgekehrt erlaubte Handlungen aufzuführen. Hier sind Anzeigen respektive Straftaten Abweichungen vom Idealzustand. Wie gestalten sich also Abweichungen vom Idealzustand der Transparenz, also, grob formuliert, der Zugänglichkeit politischer Informationen? Das Problem ist ähnlich dem Auffinden einer Adresse in einer Großstadt. Zur Vereinfachung der Definition und ihrer Beispiele werde ich das Politische großteils beiseite lassen, und nur generelle Kriterien zur Informationsunzugänglichkeit ausarbeiten: Sie im Nachhinein nur auf bestimmte Teilbereiche anzuwenden, dürfte nicht allzu schwer fallen, sofern diese Teilbereiche wiederum gut von anderen abgegrenzt sind.</p>
<p>Die offensichtlichste Abweichung findet sich in Form der Seklusion, also der Zugangsverhinderung. Bezogen auf unsere Großstadtanalogie wäre das eine dicke und unüberwindbare Mauer, die um unser Haus gezogen wurde. Seklusion lässt sich in bekannte und unbekannte Seklusion unterteilen: Bekannte Seklusion wäre lediglich eine unüberwindbare Mauer: Die Existenz der Adresse dahinter wäre also prinzipiell bekannt – ob nun offiziell oder inoffiziell, das sei dahingestellt. Eine unbekannte Seklusion wäre hingegen wie der Grimmauldplatz Nummer Zwölf aus Harry Potter: Nur Eingeweihte wissen von der Existenz der Informationen.</p>
<p>Ein Sonderfall der Seklusion ist die Obstruktion, also die »Verschüttung« von Informationen, die einst auffindbar waren. Diese Verschüttung kann unfreiwillig (Verlust, Anna-Amalia-Bibliothek) oder freiwillig (Zerstörung, Stasi-Akten) passieren. Eine tägliche Obstruktion tritt bei im Gedächtnis bewahrten Informationen auf, wenn Menschen diese vergessen oder sterben. Eine Obstruktion verlangt also, anders als die Seklusion, stets die Betrachtung eines Zeitraumes. In der Großstadtanalogie wäre eine Seklusion die zwölf Meter tief in der Erde verborgene römische Stadtmauer.</p>
<p>Doch auch prinzipiell zugängliche Inhalte können intransparent sein; und zwar dann, wenn sie das Kriterium der Obskurität, also des »Versteckens«, erfüllen. Obskurität ist immer dann gegeben, wenn eine zugängliche Information so in einer Ansammlung anderer Informationen verborgen ist, dass ihr Auffinden übermäßig erschwert wird. In der Großstadtanalogie entspräche das dem Suchen einer Adresse ohne Karte, also schlichtweg durch das Ablaufen der gesamten Stadt. Auch Obskurität lässt sich freiwillig (das Verbergen eines wichtigen Haushaltspostens irgendwo zwischen der Reinigung der Badeseen und der Bezahlung der Putzkräfte) und unfreiwillig (alles in ein Wiki schmeißen, dann wird man’s schon finden) schaffen.</p>
<p>Un Obskurität zu verhindern, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Ordnung a priori und die Ordnung a posteriori. Während die Ordnung a priori eine Verschlagwortung und Hierarchierung aller Informationen verlangt, wie es etwa auf einer Webseite oder in einem Karteikartensystem der Fall ist, wird eine Ordnung a posteriori bei Bedarf angefertigt und entspricht dem, was man landläufig im Internet als »Suche« kennt: Eine Suchmaschine fertigt also eine Ordnung a posteriori anhand gegebener Kriterien an und gibt diese dann aus. Da eine Ordnung meistens eine recht stupide Arbeit ist, erlangte die Ordnung a posteriori erst mit dem Aufkommen des Computers größere Bedeutung. Meistens wird eine Mischung beider Ordnungen eingesetzt.</p>
<p>Kurz zusammengefasst: Intransparenz kann durch Seklusion – dauerhaft oder in Form von Obstruktion – und Obskurität erreicht werden.</p>
<p>Doch inwiefern lohnt es sich, dort so zu differenzieren? Erstens lohnt es sich, um – wie Christopher Lauer <a title="" href="http://www.christopherlauer.de/2012/03/18/definitionsmacht-baby/">geschrieben hat</a> – nicht die Definitionsmacht aus der Hand zu geben: Schon jetzt wird, wie eingangs erwähnt, das Wort »Transparenz« inflationär und oftmals absolut ungerechtfertigt benutzt.</p>
<p>Zweitens gilt es, sich auch an der eigenen Nase zu packen. Gerade Intransparenz durch Obskurität ist auch in der Piratenpartei weit verbreitet. Das Haupthindernis am vielgerühmten Mitmachen ist derzeit meines Erachtens nicht, dass keine Möglichkeiten dazu vorhanden wären, sondern dass es aufgrund der großen Informationsfülle und der vergleichsweise schlechten Ordnung dieser Informationen ein enormer Aufwand ist, einen aktuellen Wissensstand zu ermitteln, also vom passiven Einlesen zum aktiven Mitarbeiten zu kommen.</p>
<p>Wenn wir verhindern wollen, dass sich schlichtweg dadurch eine Elite in der Piratenpartei bildet, dass man unverantwortbar viel Zeit braucht, um vom Konsumenten zum Produzenten zu werden, ohne aufgrund seines Unwissens getrollt zu werden, dann müssen wir daran arbeiten, unsere Informationen möglichst bereits bei der Erstellung zu kategorisieren, dafür klare Regeln zu schaffen, diese Informationen in unterschiedlichen Detailgraden aufzuarbeiten, inaktuelle Informationen entsprechend zu kennzeichnen und festzulegen, wo manche Informationen zu finden sind. Das kann nicht irgendein Vorstand machen, das können nicht die Wiki-Gärtner machen: Schon allein aufgrund der riesigen Menge an Informationen, die wir täglich produzieren, muss das jeder von uns machen, der Informationen bereitstellt.<br />
Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Neupirat derzeit auf Anhieb die Kategorisierung des Wikis versteht oder ein bestimmtes Pad findet.</p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/03/intransparenz/">Intransparenz</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=50&amp;md5=6899c227eb2be08b24bfd3ea3da92754" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Eine Geschichte für Afelia</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 01:49:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Epik und Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ich muss hier für die Erklärung etwas ausholen. Am Donnerstag war Afelia bei Maybrit Illner. Ich wollte die Sendung unter anderem bei Twitter verfolgen, wusste den Hashtag nicht und hab deswegen nach &#8220;@Afelia&#8221; gesucht. Dort wurde dann unter anderem ein Video von Peter Kruse über Kreativität verlinkt, das Afelia mal gepostet hatte. Das war sehr [...]</p><p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/01/eine-geschichte-fur-afelia/">Eine Geschichte für Afelia</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muss hier für die Erklärung etwas ausholen. Am Donnerstag war Afelia bei Maybrit Illner. Ich wollte die Sendung unter anderem bei Twitter verfolgen, wusste den Hashtag nicht und hab deswegen nach &#8220;@Afelia&#8221; gesucht. Dort wurde dann unter anderem ein Video von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=oyo_oGUEH-I" target="_blank">Peter Kruse über Kreativität</a> verlinkt, das Afelia mal gepostet hatte. Das war sehr schön; ich hab mich dann, nachdem ich mich gehörig über Maybrit Illner geärgert hatte, an den sehr intelligenten Youtube-Interviews mit Peter Kruse erfreut. Eine der Kernaussagen des geposteten Kreativität-Videos war auf jeden Fall: &#8220;Man kann nicht auf Kommando kreativ sein.&#8221; Entsprechend habe ich mich über den Zufall gefreut, als sie dann am folgenden Tag um 14:26 getwittert hat:</p>
<blockquote><p>Erzählt mal was Kreatives, aber nur in 140 Zeichen, keine Links. #Experiment</p></blockquote>
<p>Auf Kommando kam da natürlich nichts, (und dass ich immer am Peter Kruse denken musste, wenn ich an was halbwegs Kreatives gedacht habe, hat auch wenig geholfen,) aber ich hab das mal so im Hinterkopf behalten, und während ich tagträumend mein Zimmer aufgeräumt habe, kam mir so um 17:00 folgender Satz und sogleich auch der Rest der Geschichte in den Kopf. Wie das halt so ist, er war einfach da und ging nicht mehr weg:</p>
<blockquote><p>@Afelia Es tat sich eine ungewöhnliche Schönheit auf in diesem Gedanken, und von da an hatte Rewan keine Angst mehr vor seinem kranken Kind.</p></blockquote>
<p><span id="more-36"></span><br />
Die Antwort von Afelia war dann:</p>
<blockquote><p>@FealWilde ICH WILL DEN GEDANKEN WISSEN!</p></blockquote>
<p>Daraufhin schrieb ich:</p>
<blockquote><p>@Afelia Hat was mit seiner Frau, den Anschuldigungen und Tarin zu tun, mehr passt leider nicht in 140 Zeichen. Aber bei Gelegenheit gerne.</p></blockquote>
<p>Dann aber, liebe Festgesandten, ging mir die Geschichte erstens nicht mehr aus dem Kopf, und zweitens hatte Afelia schon gestern morgen geschrieben:</p>
<blockquote><p>Ich melde mich bis nächste Woche krank. Es geht grad nicht mehr.</p></blockquote>
<p>Und wenn man krank ist, soll man im Bett liegen und schlafen und lesen.<br />
Also, damit sie Lesestoff hat, den Gedanken weiß und ich die Geschichte aus meinem Kopf bekomme, habe ich sie niedergeschrieben. Folgt umgehend, viel Spaß, und ich freue mich über so gut wie jegliche Kommentare. <img src='http://feals.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
<h3>Das kranke Kind.</h3>
<p>Wenn man auf der Straße nach Kamwin ungefähr auf der Höhe des Flusses Vers einem kleinen Wegweiser folgend rechts abbiegt, anstatt mit den Händlern weiter nach Norden zu ziehen, gelangt man nach etwa zwei Stunden nach Felorn. Felorn ist ein kleines Dorf mit vielleicht fünf oder sechs Höfen und einigen Hütten für die Flussleute, die vom Fischen und seltsamen Geschäften leben. Zum Zeitpunkt dieser Geschichte aber bestand Felorn aus einem Hof mehr, und jene Hofbewohner, die heute mürrisch und zugeknöpft jeden Reisenden aus dem Dorf scheuchen, waren vor zehn Jahren noch herzliche Menschen, die Heufeste feierten und zusammenhielten und sich mit den Flussleuten gut verstanden.<br />
Und vor diesen zehn Jahren beschloss der junge Holzfäller Rewan, nicht mit seinen Kameraden nach Kamwin zu reisen, um dort über den Winter das Verdiente auszugeben, sondern dem kleinen Wegweiser zu folgen.</p>
<p>Bis Rewan zwei Stunden entlang des Flusses Vers dem Trampelpfad nach Felorn gefolgt war, war es dunkel geworden, und so kam er in ein schwarzes Dorf, das aus den Laternen der Flussleute am Ufer zu seiner Linken und den glühenden Fensterscheiben der Höfe auf der Anhöhe zu seiner Rechten bestand. Leise trug die späte Septemberkälte die Lieder der Flussleute mit sich, und in der klaren Weite konnte man mit einiger Anstrengung die Schemen der Stadt Kamwin ausmachen.<br />
Rewan wandte sich vom Anblick der Stadt ab und ging zum ersten der Höfe. Das grauverwitterte Holz schluckte alles Licht, und so schien es, als würden die wenigen beleuchteten Butzenfenster der Stube im Nichts der sternenlosen Nacht schweben. Schüchtern beugte er sich über eine mit Sägespänen bedeckte Bank und klopfte behutsam an den Rahmen eines der kleinen Fenster. Mehr als Spitzenvorhänge konnte er nicht ausmachen; die Scheiben waren beschlagen. Nach einiger Zeit klopfte er erneut, diesmal kräftiger. Links von ihm hörte er schwere Riegel zurückgeschoben werden, und nach kurzer Zeit fiel ein schmaler, langer Lichtstrahl in den Hof und wies ihm den Weg zur Tür, wie Perewanas Goldfaden Kamarus in der alten Sage in ihre Baumhöhle lockte.<br />
Als Rewan zur Tür kam, beäugte ihn ein kräftig gebauter Mann, vielleicht dreißig Jahre älter als er.<br />
»Kerl, was willst Du?«<br />
»Guten Abend, ich bin Holzfäller und—«<br />
»Nur so nehm ich keinen auf, auch nicht für eine Nacht, aber wenn Du was arbeitest, kannst Du im Heuschober schlafen.«<br />
»Das wäre sehr—«<br />
»Frau; hier ist ein Holzfäller«, rief der Mann ins Haus hinein, und bald tauchte hinter ihm ein haubenbesetzter Kopf auf.<br />
»Hol ihn schon rein, Herr, ist doch eisig draußen«, und dann wiederholte sie, diesmal an Rewan gewandt: »Komm doch rein, Holzfäller, ist doch eisig draußen!«<br />
Der Mann machte Platz und öffnete die Tür ein Stück weiter, wenn auch nur so weit wie möglich, und Rewan trat in das Haus. Ein langer, schmaler Flur war zu sehen, am Ende eine hölzerne Stiege und links und rechts Türen.<br />
»Eure Güte heiligt Euer Haus«, floskelte Rewan an den Mann gewandt und verneigte sich dann kurz zur Frau hin. Als er dann jedoch wieder den Flur entlang blickte, sah er auf der Stiege eine wundersame Gestalt stehen, barfüßig war sie, mit einem weißen Spitzenkleid als Schlafgewand, und umgeben war ihr zartes Gesicht von langem Haar, so schwarz, dass die sternenlose Nacht dagegen brannte wie ein Loderscheit. Ihre zierliche Hand hielt sich mit einer zerbrechlichen Anmut am Stiegengeländer fest, und Rewan hörte ein helles Lachen, so unschuldig und gradheraus wie ihr feiner Blick, als er sich verschämt zum Boden wandte.<br />
»Fernia! Mach, dass Du hochkommst!«, bellte der Mann, und Rewan spürte nichts als Empörung, wie er dieses heilige Geschöpf nur mit solchen Worten bedenken konnte.<br />
Missmutig blickte der Mann Rewan an, während die Frau sich eilte, durch die rechte Tür in die Stube zu gehen. Rewan blickte ihr hinterher und sah, wie sie alte Decken und Kissen aus einer großen Truhe zusammensuchte und vor dem offenen Feuer des wuchtig gemauerten Kamins ausbreitete.<br />
»Komm rein, Holzfäller!«<br />
»Frau!«, rief der Mann: »In den Schober schick ich ihn, nicht in die Stube!«<br />
»Aber Herr«, meinte die Frau, und Rewan konnte nicht sagen, ob nur Lieblichkeit oder auch Neckerei in ihrer Stimme lag, »warst Du draußen? Weißt Du wie kalt es ist? Ich könnt’s mir nie verzeihen, schliefe er draußen, und wenn wir ihn morgen erfroren aus dem Heu ziehen, bringt’s uns auch nichts.«<br />
»Aber das Heu wärmt doch auch!«<br />
»Das Heu wärmt auch…also wirklich. Dann schlaf Du doch im Heu, wenn das so gut wärmt! Ich schick den armen Jungen heute nicht mehr vor die Tür. Ganz verfroren sieht er aus. Komm her, Holzfäller, wir gehen jetzt auch schlafen, und Du wirst schon schlau genug sein, nichts Unanständiges zu versuchen. Morgen haben wir Arbeit. Komm, Herr.«<br />
»Rewan.«<br />
»Was?«, fragte der Mann verdutzt.<br />
»Ich heiße Rewan.«<br />
»Ahja«, brummte der Mann. »Ich bin Matris und das ist meine Frau Sarea. Gute Nacht, Rewan.«<br />
Rewan erwiderte den Gruß und legte sich die ausgebreiteten Decken und Kissen zurecht, um bald vor dem niederbrennenden Feuer einzuschlafen.</p>
<p>Als Rewan am nächsten Morgen aufwachte, fröstelte es ihm, und die kleinen Fenster der Stube standen weit offen. Vor Kälte jammernd stand er in eine der Decken gehüllt auf und wollte das erste Fenster schließen.<br />
»Aber Halt!«, rief da eine zarte Stimme, und ohne sich umzudrehen, wusste Rewan, dass es sich um das schwarzhaarige Mädchen mit dem feinen Blick handelte, das der Mann gestern Fernia genannt hatte. Verlegen wischte er sich den gröbsten Schlaf aus den Augen und drehte sich um.<br />
»Aber es ist so kalt draußen, da macht man doch nicht die Fenster auf!«<br />
»Dummerchen«, kicherte das Fräulein Fernia, und Rewan fiel auf, dass sie immer noch ihr spitzenbesetzes Nachthemd trug. »Man muss nach dem Schlafengehen lüften! Außerdem wartet Mutter in der Küche, um Dir Frühstück zu geben und Arbeit.«<br />
»Wo ist Dein Vater? « Verlegen versuchte Rewan, die Kissen und Decken zusammenzulegen, aber Fernia nahm ihm alles aus der Hand.<br />
»Du machst das ganz falsch, ich mach das schon. Vater ist die Winterernte sähen. Geh nun in die Küche«, schalt sie ihn.<br />
Wortlos nickte Rewan und ging in die Küche, die über den Flur gegenüber der Stube lag.</p>
<p>Einen Monat arbeitete Rewan nun schon auf dem Hof, und hauptsächlich fällte, spaltete und schichtete er Kaminholz für den Winter, für diesen und alle anderen Höfe, doch manchmal half er auch bei der Saat oder begleitete den Hofherrn Martis, der Rewan nicht über Nacht mit seiner Frau und Fräulein Fernia allein lassen wollte, nach Kamwin, wo sie Geschäfte tätigten. Einige Male begegnete Rewan seinen Holzfällerkameraden, doch die Freundlichkeiten beschränkten sich auf einige gefällige Worte und Umtrünke.<br />
Fräulein Fernia hingegen hielt Rewan in einem steten Zauber gefangen, und kaum ging sie an ihm vorbei, da hatte er alle Arbeit vergessen, bis sie ihm einen tadelnden Blick zuwarf, und sogleich war er bemüht, seine Arbeit wieder aufzunehmen und besser und besser auszuführen als zuvor.<br />
Bald schon ließ auch Fräulein Fernia merken, dass sie Rewan gegenüber nicht gleichgültig war, und so trafen sie sich von Zeit zu Zeit, gingen heimlich spazieren oder aber Fräulein Fernia saß einfach nur dick in Wolle eingepackt auf einer Bank und sah ihm zu, wie er Holz spaltete.</p>
<p>Als Rewan einmal vom Holzschichten ins Haus gehen wollte, stand Martis mit schwerem Blick in der Tür. Er bedeutete Rewan, ihm zu folgen, und sie gingen in den Heuschober.<br />
Unbehaglich trat Rewan von einem Fuß auf den anderen, um nicht auszukühlen, und vom Stall nebenan hörte er das Schnauben der Kühe.<br />
»Rewan«, begann Martis, »dies ist ein ehrbarer Hof. Wir haben vielleicht nicht so viel wie die Menschen in Kamwin, aber doch genug, und damit möchten wir es halten. Weder meine Frau noch ich möchten unsere Tochter verlieren, denn mehr als sie haben wir nicht für unser Alter, und so bleiben Dir zwei Möglichkeiten: Entweder schnürst Du Dir Dein Bündel und verlässt unseren Hof, oder Du nimmst sie zur Frau.«<br />
Rewan war sprachlos. Kein Wunsch schien ihm größer als jener, Fernia zu heiraten! Doch kannten sie sich nun erst einen Monat, und es war wohl unsittlich, nach dieser kurzen Zeit und noch dazu ohne Verlobung eine Hochzeit zu feiern. Andererseits war es wohl unsittlich, als Holzfäller ohne Stand und Namen um das Töchterchen eines Hofherrn zu werben.<br />
Er zögerte, blickte dann im Stall umher.<br />
»Ich tu’s, Fernia soll meine Frau sein.«</p>
<p>Nach der Hochzeit, die im Dorf trotz der Winterkälte mit großen Freuden begangen wurde und den Flussleuten Anlass gab, an Fisch und Musik ihr bestes beizusteuern, zog Rewan zu Fernia in den ersten Stock. Wie im Erdgeschoss war dort ein Gang, und während im warmen Zimmer über der Stube die Eltern schliefen, die nun auch Rewans waren, schlief das frischvermählte Paar im Zimmer über der Küche.<br />
Der Schnee kam und ging, und kaum schoss die Gerste aus den Feldern, erwartete Fernia ein Kind. Während der Erntezeit trug Rewan die blumenbekränzte Fernia auf beiden Armen durch das Dorf; sie badeten mit den Flussleuten und abends brieten sie Stockfisch und sangen. Bald war der Sommer vorüber, Fernias Zeichen der Leibesfrucht wuchs an und fast ein Jahr auf den Tag, dass Rewan Fernia im bestickten Nachthemd auf der engen Stiege sah, setzten die Vorwehen ein.</p>
<p>Rewan hörte seine Frau im Gemach schreien, und so schmerzerfüllt und unleidig klang dieser Schrei, dass er von der Stube die Stiege heraufstürzen wollte, doch schon kam ihm Sarea entgegen.<br />
»Hol die alte Kremte, schnell! Es ist soweit!«, rief sie, um dann kehrtzumachen.<br />
Wie ein wahnsinniger Ochse schlug sich Rewan aus dem Haus und rannte mit Leibeskräften zum Fluss.<br />
»Alte Kremte!«, schrie er, wild nach Atem ringend, und die Septembersonne spielte so gleißend auf dem Fluss, dass er kaum erkennen konnte, ob sich in den Hütten der Flussleute etwas tat, doch er glaubte, eine Tür gehört zu haben.<br />
»Alte Kremte!«<br />
»Ich komme, nichts—«<br />
»Es ist soweit!«, rief Rewan, und gleich darauf fiel ihm auf, dass er die alte Kremte wohl aus keinem anderen Grund so scheuchen würde.<br />
Das alte und bucklige Weib mit den lichten, grauen Haaren raffte die Rockschöße und beeilte sich, den Hang zu den Höfen zu nehmen. Rewan folgte ihr, voller Angst und Ungeduld.<br />
Als sie am Hof angelangt waren und die alte Kremte endlich die steile Stiege erklommen hatte, hörte er einen weiteren Schrei, doch schon klang Sehnsucht in den Schmerzen mit.<br />
Einen Blick warf Rewan ins Zimmer, sah Fernia und Sarea und Blut auf Fernias sonst so weißem, bestickten Nachthemd, da schloss die alte Kremte mit einem durchdringenden Blick die Tür.<br />
Er hörte einen weiteren, leisen Schrei, und dann war Stille. Unruhig lief er den kleinen Flur auf und ab, stieß sich an der Dachschräge den Kopf an, und blickte in das Gemach der Eltern, in dem Martis schweigend und schwitzend auf dem Bett saß.<br />
Endlich öffnete sich die Tür wieder und die alte Kremte trat heraus. Ihr durchdringender Blick hatte nun Traurigkeit, und als sie Rewan ein kleines Bündel in die Arme legte, war er erst nicht gewahr, worum es sich handelte. Die alte Kremte und Sarea gingen die Stiege hinab, und auch Martis folgte ihnen. Eine endlose Stille breitete sich aus, denn das Schluchzen, das Rewan nun hörte, stand abseits der Zeit.<br />
Rewan besah das Bündel in seinen Armen, und dort lag, eingewickelt in weißes Leinen, eine blutverschmierte, entstellte Puppe, ein unnatürliches Kind, mit großen, mandelförmigen Augen, blödem Blick und hängender Zunge, und es schrie nicht einmal.<br />
Mit Grauen blickte Rewan um die Ecke in die nun offene Tür, und dort lag Fernia auf dem Bett, die Augen geschlossen und die gesteppte Bettdecke über ihr und die Hände gefaltet, und dann immer noch das Blut überall. Fernia war tot. Seine Frau war gestorben, und alles was er von ihr hatte, war ein Bündel krankes Fleisch, das er nun in seinen Armen hielt.<br />
»Ein Dämonenkind«, hörte er die alte Kremte tausend Welten in der Ferne sagen, dann setzte er sich neben seine Frau, hielt ihre Hand und wartete.</p>
<p>Es dauerte viele Wochen, bis Rewan sich wieder überwinden konnte, im Totenzimmer seiner Frau zu schlafen, und nach einer Nacht, in der er solche Albträume durchlitt, dass Martis und Sarea wegen des Geschreis kaum zur Ruhe kamen, zog er wieder in die Stube, auf seine Decken und Kissen neben dem Kamin. Das entstellte Kind wurde widerwillig von einer jungen Mutter der Flussleute gestillt, nachdem die alte Kremte lange auf sie eingeredet hatte. Wenn Rewan das Kind zum Stillen brachte, hörte er die Flussleute reden.<br />
»Ein Dämonenkind ist das; ein Flussdämon ist der Mutter beim Baden in den Leib gefahren. Das blöde Kind wird noch viel Unglück bringen! Und eine entstellte Hässlichkeit hat es an sich, dass es einen schaudert.«<br />
Bald begannen auch die Bewohner der Höfe, in diese Rederei einzufallen, und Rewan erntete böse Blicke, wenn er mit dem Kind auftauchte.<br />
Dieses Kind! Dieses widerliche Kind! Nie würde es Fernia ersetzen können, nie ihr auch nur in einer Eigenschaft vergleichbar sein.<br />
Nur einer war im Dorf, der in das Gerede nicht einfiel, und das war ausgerechnet einer der Flussleute, ein Mann in Rewans Alter namens Tarin.<br />
Martis und Sarea waren mit großem Kummer überkommen; still lebten sie auf dem Hof und gingen kaum noch ins Dorf. Sarea kümmerte sich mit großer Liebe um das kranke Kind, doch so sehr sie Rewan auch drängte, so konnte er sich nicht durchringen, ihm einen Namen zu geben, so groß waren seine Angst und sein Hass auf das Kind.<br />
Rewan verbrachte seine Abende nun oft bei Tarin, mit dem er sich gut anfreundete. Tarin war ein Wilderer, was trotz der hohen Strafen auf Wilderei ein offenes Geheimnis im Dorf war, doch einerseits fühlten sich die Flussleute nur an ihre eigenen Gesetze gebunden und zweitens scherte man sich im Dorf sowieso nicht viel um Gesetze, solange alles seinen rechten Gang nahm. Die Abende mit Tarin ließen ihn das Kind vergessen und auch Fernia, die nun mit einem kleinen Gedenkstein bezeichnet entlang des Trampelpfads zur Straße ruhte. Ein Grab in den Wäldern wäre von den Wölfen, ein Grab in den Feldern von den Pflügen aufgegraben worden, und eine Bestattung im Fluss, wie es mit den anderen Toten des Dorfes gemacht wurde, wurde von den Flussleuten abgewehrt, die befürchteten, dass der Flussdämon so aus Fernias Leib wieder ins Wasser kommen und in die nächste Frau fahren würde.<br />
Zwar versicherte Tarin ihm mit großer Eindringlichkeit, dass keine Wahrheit im Gerede über den Flussdämon war, doch Rewan konnte seine Liebe zum entstellten Kind nicht finden, denn gäbe es dieses Kind nicht, dann gäbe es Fernia noch, und was nun hässlich war, wäre dann noch schön, und was nun ungeschickt und blöde war, wäre dann noch sanft und klug.<br />
Nur einen gab es, der an Fernia heranreichen konnte, und wenn es doch nicht mit Fernia vergleichbar war, so entwickelte Rewan doch eine große Liebe zu Tarin. Wenn auch Tarin diese Liebe merkte und erwiderte, so verunsicherte sie Rewan doch, denn weder war eine solche Liebe sittlich, noch wollte er Fernias Liebe ersetzt wissen.<br />
Ein Jahr ging ins Land, und bald hatte das Kind Geburtstag.</p>
<p>Rewan kam spät von einem seiner Abende mit Tarin zurück zum Hof, und dank gehöriger Mengen Bier war er in ausgelassener Stimmung. Doch als er den Hang zu den Höfen betrat, stach ihm ein verbrannter Geruch in die Nase, ganz schwach und leise, wie eine Ahnung nur. Da sah er die glühenden Fensterscheiben des Hofs, doch anders als vor zwei Jahren, als er sie zum ersten Mal gegen die kohlenschwarze Nacht sah, glühten sie nun tatsächlich, und Flammen schlugen aus den Dachfenstern, leckten die Schindeln entlang, wandelten Holz in dicken, verlorenen Rauch und lautes, berstendes Knistern.<br />
Entsetzt schrie Rewan und rannte zum Hof, riss die Tür zum Haus auf. Der Luftzug fachte die Flammen weiter an.<br />
»Martis, Sarea!«, brüllte Rewan, heulte und brüllte und heulte, und wurde ganz leise, als er durch das Krachen und Zischen ein leises Weinen hörte, unhörbar fast wie das Fiepen eines gefangenen Maulwurfs, der in seiner Blindheit das Schicksal fühlt, bevor ihn ein Dorfkind zum Spaß erschlägt. Und Rewan wusste, das war sein Kind, und sei’s um Angst und Hass wie es sei, so war es doch das einzige, was ihm von Fernia blieb, und war es doch entstellt und blöde, so hatte Fernia, die feine, liebe Fernia in ihrem weißen Spitzennachthemd doch ihr Leben für dieses Kind gegeben.<br />
Rewan rannte ins Haus, folgte dem Weinen in die Stube, und dort, beinahe schon umlodert, stand der Weidenkorb neben seinen Decken und Kissen, die wieder lagen, als hätte sie seine Frau gerade für seine erste Nacht gelegt, und in diesem Weidenkorb lag das Kind; das Kind, das sonst nie einen Laut hervorbrachte, und weinte jämmerlich. Rewan nahm den Weidenkorb und stürmte aus der Stube.<br />
»Martis, Sarea!«, schrie er erneut.<br />
Er wollte die Stiege hinauf, in ihr Gemach, doch die Flammen hatten die Stiege schon genommen, und brennende Balken verschütteten den Weg. Rewan stimmte in das leise Weinen des Kindes ein, stolperte aus dem Haus und sah zu, wie das Feuer alles fraß, das ihm etwas bedeutete, alles außer Tarin und dieses kranke Kind seiner Fernia.<br />
Die Flammen griffen auf den Schober und den Stall über, und die Kühe stießen panisch gegen das Gehege, in dem sie eingesperrt waren. Bald hatten sie es durchbrochen und jagten brüllend und wild und angesengt durchs Dorf.<br />
Der Lärm weckte die Dorfbewohner, und bald hatte sich eine große Menschenmenge um den Hof gebildet; Löschketten vom Fluss herauf reichten Wassereimer, und so konnte wenigstens erreicht werden, dass das Feuer nicht auf die anderen Höfe übergriff; den Rest ließ man niederbrennen. Und Rewan und die Missgeburt im Weidenkorb ließ man stehen.<br />
Er nahm das Kind, das nun ohne einen Menschen war, der es liebte, aus dem Weidenkorb in seine Arme, und wärmte es; wärmte es bis ins Morgengrauen, dessen Nebel sich mit dem Rauch vermischte und kühlen Tau auf der noch heißen Asche verdampfen ließ. Und da stand der Kamin, stand, als wäre um ihn herum noch ein Haus, als lägen dort noch die Decken und Kissen, als könnte sich Rewan dort niederbetten und nie mehr aufwachen.<br />
Hinter Rewan kam jemand näher.<br />
»Komm mit.«<br />
Es war Tarin.</p>
<p>Tarin ließ Rewan und sein krankes Kind bei sich wohnen, und auch wenn unter den Flussleuten viel Ärger darüber herrschte, dass das Dämonenkind nun unter ihnen war, so traute sich doch niemand, Tarin sein Hausrecht streitig zu machen.<br />
Gerade die alte Kremte sprach sich stets für das Kind aus, denn sie glaubte fest daran, dass das kranke Kind nicht böse, sondern nur verflucht sei, und der Fluch mit den richtigen Opfern an den Flussdämon gebrochen werden könne.<br />
Dennoch nutzte die Dorfbevölkerung jede Gelegenheit, Tarin, Rewan und dem Kind das Leben schwer zu machen, verkaufte ihnen nichts mehr, ließ sie nicht bei sich sitzen und beschimpfte sie auf der Straße. Bald verließen sie nicht mehr die Hütte, und Gerede, dass die beiden Männer ein unsittliches Verhältnis pflegten, nahm zu. Die herzlichen Menschen von Felorn wurden kalt, Streitigkeiten mehrten sich und bald trennte sich das Dorf vollkommen in die Flussleute und die Hofbewohner, die sich kaum in die Augen sahen. Waren die Flussleute den Hofbewohnern zu ungestüm und einfach, so waren die Hofbewohner den Flussleuten zu wohlhabend und bäuerlich. Nur noch der Hass auf das Dämonenkind einte die Bewohner von Felorn.<br />
Eines Nachts im Frühling wurde Rewan von Tarin unsanft geweckt.</p>
<p>»Rewan, steh schnell auf, nimm, was Du tragen kannst, wir müssen weg!«, flüsterte Tarin aufgeregt und verängstigt.<br />
Schlaftrunken richtete Rewan sich auf: »Wie redest Du daher? Was ist los?«<br />
»Die alte Kremte war gerade da; einige der Dorfleute haben meine Wilderei an die Miliz verraten, und uns bleibt nicht viel Zeit, bevor sie eintrifft!«<br />
Rewan sprang auf. Er zog sich an, packte in den Weidenkorb, was hineinpasste und von ihm für wichtig erachtet wurde, schulterte das schlafende Kind, das nun schon zu groß für den Weidenkorb geworden war, mit der anderen Hand und nickte Tarin zu, der seinerseits einen großen Sack beladen und Köcher und Bogen umgehängt hatte. Leise schlichen sie sich zur Tür hinaus.<br />
»Den Trampelpfad zur Straße können wir nicht nehmen«, flüsterte Tarin, »da laufen wir der Miliz ins Messer. Wir müssen über die Felder in den Wald.«<br />
Die nächtliche Frische zog schnell in ihre Kleider, und Rewan war voller Sorge, dass das kranke Kind erwachen und weinen könnte. Er erwägte kurz, ob er das Kind im Notfall fallen lassen sollte, um schneller fliehen zu können, bevor er sich selbst schalt; erschrocken über seine eigenen Gedanken.<br />
Sie kamen über die Felder schnell voran. Tarin bildete den Abschluss der Gemeinschaft und versuchte in der Eile so gut wie möglich, die Spuren in der feuchten Erde zu verwischen. Bald hatten sie den Waldrand erreicht und sich über Gräben und durch Brombeersträucher ins Unterholz geschlagen.<br />
Atemlos setzte Rewan den Weidenkorb ab, ließ sich auf den weichen, feuchten Waldboden nieder und legte das immer noch schlafende Kind in seine Arme. Tarin setzte sich, ebenso um Luft ringend, neben ihn.<br />
»Und jetzt?«, fragte Rewan mit kalter, zittriger Stimme.<br />
Tarin schluckte. »Wir können nie wieder zurück nach Felorn. Wir können auch nicht nach Kamwin, und im Süden ist es unwirtlich. Wenn wir den Fluss überqueren und über Kamwin hinaus in den Norden gehen, kommen bald die Berge. Die Berge sind frei. Dort könnten wir leben.«<br />
»Und wie überleben wir dann?«<br />
»Was ich hier jagen kann, kann ich dort auch jagen. Und Du fällst Holz. Wie hier.«<br />
»Das klingt wie eine Familie«, erregte sich Rewan leise, und der Ärger in seiner Stimme erschreckte Tarin. »Als wärst Du meine Frau. Du bist aber nicht meine Frau, Du wirst nie wie Fernia sein können. Und diese Missgeburt ist nicht Dein Kind, Du hast damit nichts zu tun. Glaub nicht, dass Du irgendwelche Verpflichtungen hast, Tarin, oder dass ich Dich bräuchte; solche Gedanken schlag Dir gleich aus dem Kopf!« Als er Tarins erschrockenen Blick sah, konnte Rewan kaum schlucken, so schwer lagen die Worte in seinem Mund, und er begann still zu weinen.<br />
Langsam begann Tarin, das kranke Kind auf Rewans Schoß zu streicheln.<br />
»Was machst Du da? Ich hab gesagt, das ist nicht Dein Kind.«<br />
»Warum nicht?«, frug Tarin. »Du willst es ja nicht.«<br />
»Wer sagt, dass ich es nicht will? Du falscher Fuchs, lass mich in Ruhe, Du Weibskerl!«<br />
»Wenn Du es willst, warum behandelst Du es dann so schlecht? Du liebst Dein Kind doch gar nicht.«<br />
»Wieso sollte ich diese kranke Missgeburt denn lieben? Fernia ist deswegen gestorben, und es hat sich nicht einmal—«, Rewan schluchzte. »Es war ganz umsonst.«<br />
»Du bist so blöde, Rewan, blöder als es dieses Kind jemals sein könnte. Ich will nicht Deine Frau sein und ich will sie nicht ersetzen. Ich will Dein Freund sein, und nie könnte ich Dir etwas antun, was Du nicht möchtest, aber Du weißt ja nicht einmal selbst, was Du möchtest. Wenn Deine Frau so wunderbar war, und Du bist es auch— Wie kann dann euer Kind etwas anderes sein? Alles, was Du von diesem Kind weißt, siehst Du durch Hass und Angst, und dummes Gerede der Flussleute bringt Dich dazu, das größte Geschenk Deiner Frau so zu missachten! Nicht einmal die alte Kremte war so blind wie Du. Ich liebe Dich, blöder, blinder Rewan, und ich will mit Dir sein und mit dem Kind, und ich will auch das Kind lieben, mit allen Makeln und Schönheiten, denn größer kann man Deine tote Frau nicht ehren.«<br />
Rewan saß eine ganze Weile schweigend da und begann dann, ganz behutsam, sein Kind zu streicheln, das Kind von Fernia und Rewan mit den Mandelaugen und der hängenden Zunge und dem großen Kopf und der zierlichen Gestalt, dem schwarzen Haar und den zarten, kleinen Händen.<br />
»Ja.«<br />
Dann küsste er Tarin.<br />
Tarin und Rewan und das Kind, das so schön war wie seine Frau, wie es schlafend in seinem Schoß lag, in einer Hütte in den Bergen, jagend und Holz fällend und spielend.<br />
Es tat sich eine ungewöhnliche Schönheit auf in diesem Gedanken, und von da an hatte Rewan keine Angst mehr vor seinem kranken Kind.</p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2012/01/eine-geschichte-fur-afelia/">Eine Geschichte für Afelia</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=36&amp;md5=dd2bfaa677932ea417430adab19b7643" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Personifikation und Repräsentation</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 16:48:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Während und kurz nach dem Bundesparteitag 2011.2 der Piraten gab es einen Shitstorm gegen den Landesverband Bayern, weil ein Teil des Vorstands dort mit T-Shirts zu sehen war, auf denen das BGE als &#8220;Blauäugig, Gutgläubig, Einfältig&#8221; bezeichnet wurde. Was hier für diesen Blogeintrag der Auslöser ist: Der Shitstorm richtete sich gegen den LV Bayern; das T-Shirt trug aber nur ein Teil des Vorstands.<span id="more-7"></span></p>
<p>Im höfischen Absolutismus verkörpert der Herrscher nicht nur den Staat, vielmehr ist er der Staat. (Wer kennt nicht den berühmten Ausspruch Ludwigs XIV.?) Und der Absolutismus ist nur die Spitze eines Eisbergs des Personikationswahns, der die Naturgewalten, Objekte und letzten Endes eben auch gesellschaftliche Strukturen wie etwa Vereine, Firmen und Staaten einnimmt.</p>
<p>Während das bei Naturgewalten in Form eines Pantheismus vielleicht zu gallischen Weltuntergangsängsten bei Gewittern führt und bei Objekten eine Anthropomorphisierung in Trittspuren am PC-Gehäuse mündet, also keinen größeren immanenten Schaden verursacht, verhält sich das bei der Personifikation gesellschaftlicher Strukturen anders.</p>
<p>Natürlich ist es sinnvoll, Sprecher zu haben, die sich im Namen einer Gruppe äußern können. Jedes größere Unternehmen oder politisches Organ beschäftigt etwa einen Pressesprecher. Wichtig ist jedoch, zwischen Repräsentation und Personifikation zu unterscheiden. Während Personifikation an sich nur bedeutet, dass man eine wie auch immer geartete Struktur anthropomorphisiert, also vermenschlicht, damit sie vorstell- und greifbar wird, bedeutet Repräsentation (im politischen Sinne), dass man dazu bemächtigt ist, im Namen dieser Person zu sprechen und zu handeln, sofern man dafür ein Mandat besitzt, also berechtigt wurde.<br />
Daraus folgt auch, dass Personifikationen ideelle Figuren sein können (und es heute meistens auch sind), während Repräsentationen (mit wenigen Ausnahmen im metaphysischen Bereich, in denen etwa der Kaffeesatz oder aufsteigende Tauben zur Repräsentation eines himmlischen Willen werden) durchwegs reelle Figuren sind.<br />
&#8216;Offizielle&#8217; Personifikationen wären etwa die ganze Liga der Maskottchen, von der Milka-Kuh über den Olympia-Waldi hin zum Michelin-Männchen. Dann gibt es noch virtuelle Personifikationen für Tiere (Reineke Fuchs, Meister Lampe, etc.), Ideale (Iustitia, hier ihrer Göttlichkeit beraubt als reines Symbol der Gerechtigkeit, oder Gevatter Tod) oder Völker (Uncle Sam, der deutsche Michel (bzw. die Fette Henne für die Berliner Republik), Marianne, etc.).<br />
Repräsentanten sind dagegen etwa der deutsche Bundespräsident, der Kanzler einer Universität, oder auch ein Delegierter bei den Vereinten Nationen, der im Namen aller Einwohner spricht. (Ob er auch in ihrem Sinne spricht, ist ein anderes Thema.)<br />
Sowohl Personifikation als auch Repräsentation gibt es auch; damit wäre man etwa wieder im höfischen Absolutismus.<br />
Gerade Maskottchen sind auch ein schönes Beispiel dafür, dass mit der Macht, eine Struktur zu personifizieren, nicht auch die Macht einhergeht, eine Struktur zu repräsentieren, sondern diese zwei Funktionen erstmal getrennt sind: Sonst würde ja der Bärenmarke-Bär die Quartalsergebnisse verkünden dürfen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Personifikation einer Struktur ein eigenständiges Objekt ist, während die Repräsentation einer Struktur nur ein Merkmal, genauer ein Mandat, ist, das einem eigenständigen Objekt verliehen wird. Iustitia ist also die Personifikation, während Wulff nicht die Repräsentation ist, sondern lediglich der Repräsentant einer Repräsentation, also der Mandatsträger. Das Amt des Bundespräsidenten, das ist die Repräsentation.<br />
Der jeweilige Amtsinhaber jedoch bleibt weiterhin ein auch eigenständig Handelnder. Das ist der Grund, warum sich Wulff ein Butterbrot schmieren kann, ohne dass das automatisch eine Amtshandlung ist: Er schmiert sich sein Butterbrot dann als Privatperson, nicht als Repräsentant. Natürlich kann man auch die Personifikation als Mandat an einen Repräsentanten abgeben; das geschieht etwa dann, wenn eine (an sich machtlose, aber meistens junge und hübsche, also verkaufsfördernde) Weinkönigin gekrönt wird oder das von allen Nürnbergern für zwei Jahre gewählte Christkind am Balkon erscheint, um den Prolog zum Christkindlesmarkt vorzutragen.</p>
<h3>Folgenschwere Vereinfachungen</h3>
<p>Wenn die Unterschiede zwischen beiden Konzepten sehr abstrakt sind und so im Alltag nicht greifbar sind, oder wenn keine geeignete Personifikation einer Struktur existiert, neigen wir dazu, den Repräsentanten mit der Personifikation gleichzusetzen.</p>
<p>Spricht man von der Piratenpartei, stellt man sich nicht 19.000 Individuen vor, die sich durch ähnliche Geisteshaltung (oder andere Motive: Anerkennung, Karrierehoffnungen, etc.) zu einer mehr oder minder organisierten Struktur zusammengefunden haben, um durch Arbeitsteilung und Kommunikationskanäle dafür zu sorgen, sich fortzubilden und die eigenen Ziele leichter umzusetzen. Ohne jemandem zu nahe zu treten zu wollen: An der Aufgabe, sich gleichzeitig 19.000 Einzelpersonen vorzustellen, scheitert das Durchschnittsgehirn spielend. Also sucht man sich ganz unterbewusst eine Personifikation: Das muss nicht festgelegt sein, sondern kann fließend erfolgen, und meistens ergibt sich da eine Melange der Persönlichkeiten, die in Verbindung mit der Struktur in der Öffentlichkeit stehen: Der oben angesprochene Personifikationswahn. Nur durch die Versinnbildlichung mit etwas alltäglich Bekanntem &#8211; wie etwa Personen &#8211; haben wir die Möglichkeit, eigentlich unvorstellbare Strukturen aufzufassen. Das ist der Grund, warum Marina Weisband von vielen eher als Personifikation der Piratenpartei aufgefasst wird als etwa Sebastian Nerz. Und das ist auch der Grund, warum ihre Unterleibsbeschwerden, ihr Lippenstift oder angeblicher Medikamentenmissbrauch am Frühstückstisch per se zum Politikum gemacht werden: Die Abstraktion des Amtes von der Privatperson geht in den Köpfen der Menschen dann verloren, wenn sie Personifikation mit Repräsentation gleichsetzen.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Zurück zum anfänglich angesprochenen Shitstorm gegen den Landesverband Bayern: der Vorstand des Landesverbandes repräsentiert diesen; er personifiziert ihn jedoch nicht. Solange kein eindeutiges Mandat in dieser Richtung vom Landesverband an den Vorstand erteilt wurde, ist seine Kleidung allein Teil der Privatperson. Und somit lässt sich das T-Shirt eines Vorstandsmitglieds genauso sehr auf den Landesverband Bayern projizieren, wie sich der rote Lippenstift Marina Weisbands auf die Piratenpartei projizieren lässt: Nämlich gar nicht.</p>
<p>Was lässt sich daraus schlussfolgern? Es ergeben sich zwei Ratschläge: Einmal an alle, einmal explizit an Repräsentanten.<br />
Allgemein an alle geht der Rat, diese Unterscheidungen möglichst immer zu berücksichtigen und im Kopf zu behalten: Sowohl die Unterscheidung zwischen Personifikation und Repräsentation, als auch die Unterscheidung zwischen Repräsentation und Repräsentant; also Amtshandlung und Privatperson. Wie viele Missverständnisse und Anschuldigungen ließen sich dadurch vermeiden!<br />
Speziell an die Repräsentanten geht der Rat, dafür zu sorgen, dass die Unterscheidung zwischen Repräsentation und Repräsentant immer deutlich bleibt. Zwar ist es ein Leichtes, herauszufinden, welches Mandat man als Repräsentant innehat, also welche der eigenen Handlungen Amtshandlungen sind und welche als Privatperson erfolgen, doch sollte einem bewusst sein, dass nicht jeder diese Unterscheidung berücksichtigt und deshalb ein expliziter Hinweis dann und wann sehr hilfreich sein kann.</p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2011/12/personifikation-und-reprasentation/">Personifikation und Repräsentation</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=7&amp;md5=6feb3a8c2b67ee734d4e334cb79e4faa" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Proœmien Ante Ren</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 16:48:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Feal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Zuerst eine Reihe an Entschuldigungen und Ausflüchten für die folgenden Blogeinträge: Anders als Faust habe ich weder Philosophie, Juristerei und Medizin, noch Theologie studiert, sondern studiere mit mäßigem Erfolg Informatik. Das einzige, womit ich also dienen kann, ist eine Hingabe zur Eleganz in Erklärungen und eine Liebe zur Logik. Alle Ansichten, die ich in diesem [...]</p><p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2011/12/prooemien-ante-ren/">Proœmien Ante Ren</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zuerst eine Reihe an Entschuldigungen und Ausflüchten für die folgenden Blogeinträge: </p>
<p>Anders als Faust habe ich weder Philosophie, Juristerei und Medizin, noch Theologie studiert, sondern studiere mit mäßigem Erfolg Informatik. Das einzige, womit ich also dienen kann, ist eine Hingabe zur Eleganz in Erklärungen und eine Liebe zur Logik. Alle Ansichten, die ich in diesem Blog vertrete, sind also das reine Ergebnis meiner laienhaften Versuche, mir die Welt möglichst einfach zu erklären, ohne vor etwas die Augen zu verschließen. Ich bilde mich stetig weiter (oder versuche es zumindest), und wenn ich zu einem Standpunkt gefunden habe, verteidige ich ihn mit größter Vehemenz, bis ich auf ein Argument stoße, das ich nicht entkräften kann. Dann bilde ich mir einen neuen Standpunkt und verteidige diesen mit größter Vehemenz. Wenn ich mich für die Ansichten, die ich vor einem halben Jahr hatte, nicht schäme, dann müssen sie entweder richtig gut sein, oder ich stecke mit meinem Weltbild fest. </p>
<p>Manchmal klinge ich sehr abgehoben, aber das liegt dann eher daran, dass ich mich nicht einfach ausdrücken kann.</p>
<p>Ich weiß oft nur oberflächliche Versatzstücke vieler Themen, und ich freue mich, wenn sich jemand erbarmt und mir hilft, tieferes Verständnis für etwas zu entwickeln. </p>
<p>Meistens bin ich nicht der Stein des Anstoßes. Deswegen antworte ich besser, als dass ich Thesen aufstelle. Hoffentlich hilft mir dieser Blog, das zu ändern.</p>
<p>Nun wünsche ich euch viel Spaß und mir viele, möglichst konstruktive, Kommentare. </p>
<p>(Der Beitrag »<a href="http://feals.de/blog/2011/12/prooemien-ante-ren/">Proœmien Ante Ren</a>« wurde auf <a href="http://feals.de">FEALs</a> veröffentlicht.)</p> <p><a href="http://feals.de/?flattrss_redirect&amp;id=22&amp;md5=9fcb579a32f38cd9062a5e3ba34522eb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://feals.de/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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